Inge Kleinschmidt

Inge Kleinschmidt

22.2. 2017 Lila Spätlese

Lesung in der Kornmühle Nordhorn

 

2016 November

Die Auslieferung von "Tochter dazwischen" über den Handel erfolgt sukzessive, sofort und portofrei zu erhalten ist es über

 

http://www.lehmanns.de/shop/literatur/37208758-9783956314995-tochter-dazwischen

oder

https://www.buchhandel.de/buch/Tochter-dazwischen-9783956314995

 

 

 

16.11 2016  Autorenlesung im KUNSTWERK Schüttorf

 

 

 

 

2015 Kurzgeschichte "Das Hemd"

im Rahmen einer Geschichtensammlung "Grafschafter Geschichten"

 

 

Leseprobe

 

Als Helga ein Kind war, bewunderte sie die in ihrer Straße auftretenden Leierkastenspieler, Gaukler und Clowns. Ihr größter Wunsch war, später ebenfalls in einem lustigen Kostüm düstere Stimmung in fröhliches Miteinander zu verwandeln. Mit sechzehn Jahren arbeitete Helga in einer Näherei und träumte davon, irgendwann als Clown von ihrer Nähmaschine aufzustehen, die strengen Akkordregeln zu ignorieren, dafür mit ihren Kolleginnen zu lachen, zu singen und Freude zu haben.

 

Am 4. März 1957 war es endlich soweit. Helga und ihre Freundin Irene verkleideten sich als Clowns, Irene hatte die Masken besorgt. Die ganze Stadt war am Rosenmontag auf den Beinen, auch alle Angestellten und Arbeiter aus der Firma. Zuerst liefen ihnen die zwei arroganten jungen Männer aus der Schlosserei über den Weg. Irene und Helga spritzen ihnen mit der Wasserpistole ins Gesicht. Danach verabschiedeten die beiden Mädchen sich mit einer tiefen Verbeugung und einem Handkuss.

Nach einer Weile entdeckten sie ihren Abteilungsleiter, einen ganz feinen Pinkel. Anfangs faxte Irene verhalten vor ihm herum, plötzlich tickte sie mit ihrem Zeigefinger an seine Stirn. Dann hakten sie ihn ein und schunkelten hin und her. Richtig wohl fühlten Helga und Irene sich mit den Masken, bedenkenlos tippten sie den einen oder anderen auf die Schulter oder tanzten im Vorübergehen mit fremden Passanten. Ein Clown war willkommen. Abends fielen Irene und Helga sich glücklich in die Arme.

Im Laufe ihres Lebens erinnerte sich Helga oft an diesen Tag.

 

Hermann und sie hatten gerade Silberhochzeit, als sie morgens in der Zeitung vom 1. Straßenkulturfest hier in der Stadt las und freudestrahlend zu ihm sagte: „Da gehen wir hin.“

Hermann gab nur einen abfälligen Lacher von sich: „Da gehen wir bestimmt nicht hin, das kann ich mir nicht erlauben und du auch nicht. Begreif endlich, du bist hier nicht im Pütt.“